Calcium fluoratum – Das Mittel für Struktur und Sensibilität

Synonyme: Flussspat, Calciumfluorid, Calcarea fluorata/flurica, CaF₂
Organo- und Funktiotropie: Stütz- und Bewegungssystem; bevorzugt linkseitige Beschwerden

Ein Mittel der Gegensätze: Verhärtung und Überempfindlichkeit

Calcium fluoratum gehört zu den großen Strukturmitteln der Homöopathie – es wirkt tiefgreifend auf das Bindegewebe und ist besonders angezeigt bei chronisch-rezidivierenden Prozessen, die mit einer Bindegewebsschwäche einhergehen. Dabei zeigen sich zwei zentrale Themen: Verhärtung und Überempfindlichkeit – sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene.

Patient*innen, die auf dieses Mittel ansprechen, sind oft sehr sensibel, sowohl gegenüber äußeren Reizen (z. B. Licht, Geräusche, Temperaturen), als auch in seelischer Hinsicht. Diese Sensibilität steht im Kontrast zu den körperlichen Verhärtungstendenzen, etwa in Form von Drüsenindurationen, Myomen, Exostosen oder Arthrosen.

Ein weiteres auffälliges Merkmal: die Neigung zur Eiterung – sei es bei Hauterscheinungen, chronischen Entzündungen oder im Bereich der Schleimhäute.

Leitsymptome und körperliche Indikationen

Bewegungssystem:

  • Arthrose, Gelenkschmerzen, Lumbago, Ischialgie
  • Exostosen, Osteoporose
  • Erkrankungen der Knochen und Anhangsgebilde
  • Krampfneigung, v.a. Wadenkrämpfe

Haut, Haare, Nägel:

  • Akne, Furunkel, nässende und eitrige Ekzeme
  • Intertrigo, juckende Narben
  • Haarausfall, brüchige Nägel
  • Schweißneigung mit üblem Geruch bei geringster Anstrengung

Sinnesorgane:

  • Photophobie, Hordeolum, Keratitis
  • Geräuschempfindlichkeit, chronische Otitis media, Otosklerose
  • Chalazion, Katarakt, Cholesteatom

Atemwege:

  • Chronische Katarrhe, Rhinitis, Sinusitis
  • Trockener, geröteter Rachen (Tonsillitis, Laryngitis)
  • Krampfartiger Husten, Kitzelhusten, Bronchiektasien

Verdauung & Stoffwechsel:

  • Pankreasinsuffizienz, Hepatitis, Gastritis
  • Fettstühle, akute Verdauungsstörungen
  • Proktitis, Analfissuren
  • Abmagerung trotz Heißhunger
  • Schilddrüsenerkrankungen, v.a. Hyperthyreose

Urogenitaltrakt:

  • Herpes genitalis
  • Milchig-gelblicher Fluor, Myome, Uterussenkung

Psychische und energetische Verfassung

Calcium fluoratum-Patient*innen erleben häufig eine innere Zerrissenheit: Einerseits besteht eine ausgeprägte innere Unruhe, andererseits ein Gefühl von Lähmung und Initiativeverlust. Diese Ambivalenz kann sich bis hin zur ängstlichen Depression mit Konzentrationsstörungen und Antriebslosigkeit steigern.

Typisch ist eine rasche geistige wie körperliche Ermüdbarkeit, was sich auch im beruflichen oder schulischen Umfeld deutlich auswirken kann.

Modalitäten

Verschlechterung durch:

  • Zwischen 3:00 und 5:00 Uhr morgens
  • Kälte, aber auch schwüle Hitze
  • Leerer Magen
  • Anstrengung

Besserung durch:

  • Wärme
  • Essen

Indikationen – wann an Calcium fluoratum denken?

  • Gelenk- und Rückenschmerzen, Arthrose, Osteoporose
  • Hyperthyreose, Struma, vegetative Dystonie
  • Haarausfall, brüchige Nägel, Akne
  • Herpes (labialis und genitalis)
  • Zahnungsschwierigkeiten, Neigung zu Karies
  • Varikosis, Schwere- und Hitzegefühl in den Beinen
  • Bindegewebsschwäche, v.a. bei chronischen Prozessen
  • Chronische Sinusitis, Otitis media, Bronchiektasen
  • Fettstuhl, Pankreatitis

Differentialdiagnostik

  • Acidum fluoricum – bei noch stärkerer Zersetzungstendenz und Destruktion
  • Silicea – bei mangelnder Struktur und Abwehrschwäche
  • Conium – bei starren, harten Tumoren; eher rechtsseitig
  • Pulsatilla – bei weicher, weinerlicher Konstitution mit wechselnden Symptomen

Therapiehinweise

Die Gabe von Calcium fluoratum erfolgt häufig in der D6, gerne im Wechsel mit Strontium carbonicum, insbesondere bei Osteoporose und degenerativen Gelenkerkrankungen. Aufgrund der tiefgreifenden Wirkung kann das Mittel auch über längere Zeiträume hinweg angewendet werden – besonders bei chronischen Beschwerden mit Bindegewebsbeteiligung.

Fazit

Calcium fluoratum ist ein wertvolles Konstitutionsmittel bei Patient*innen mit einer Kombination aus struktureller Schwäche und psychischer Überempfindlichkeit. Es stärkt das Bindegewebe, lindert chronische Entzündungen und führt zu einer stabileren physischen wie psychischen Konstitution. Damit nimmt es einen festen Platz in der homöopathischen Therapie chronischer, degenerativer und entzündlicher Erkrankungen ein.

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